Land Zauber - page 98

V O N J E A N E T T E M Ü L L E R
I
n der Schmiede ist es dunkel, es riecht nach Eisen
und das Schmiedefeuer droht auszugehen. Janosch
Vecernjes legt eine Schaufel Kohle vom Albköhler
nach, dann lodern die Flammen wieder. Er erzählt,
wie alles begann mit dem Schmieden und den Messern.
Im Alter von zwölf beginnt er, zusammen mit demVater
Messer zu schneiden und zu polieren. Dann, mit etwa
19 Jahren, wird er von einem ungarischen Altmeister in
die streng gehüteten Familiengeheimnisse der Schmiede-
und Härtekunst eingeweiht. Von ihm lernt er, was ein
gutes Messer ausmacht: geschmeidig und flexibel muss es
sein, dabei scharf und schnitthaltig. Das richtige Material
ist entscheidend und daher verwendet der Meister über-
wiegend Stahl, der mindestens dreißig Jahre alt ist. Dieser
ist in sich gefestigt und sorgt für ein besseres Ergebnis.
»Ein guter Stahl ist wie ein guter Rotwein – je länger er
lagert, umso besser wird er, bis sein Höhepunkt erreicht
ist«, so der Schmied. Der junge Mann muss lernen, dass
es nicht den einen Stahl gibt, der alle gewünschten Eigen-
schaften mit sich bringt. An dieser Stelle demonstriert
Janosch Vecernjes mit den Armen das magische Dreieck:
oben die bestmögliche Schärfe, unten die bestmögliche
Schnitthaltigkeit – also wie lange der Stahl scharf bleibt –
und auf der anderen Seite die bestmögliche Geschmeidig-
keit und Flexibilität. Erst die Verbindung von hartem Stahl
für die bestmögliche Schärfe und Schnitthaltigkeit und
dem weicheren Stahl für Geschmeidigkeit und Flexibilität
macht eine gute Messerklinge aus.
Das kontrollierte
Schmieden: Nicht
zu viel Hitze, nicht
zu viel Druck,
nicht zu schnell.
Fotos
Jeanette Müller
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