Land Zauber - page 114

200 Jahre später immer noch fesselnd
Anders als vor 200 Jahren, aber betriebsam, geht es heute
in den Glashütten und Glasbläsereien zu, die im Schwarz-
wald noch recht zahlreich existieren. Die im 18. und 19.
Jahrhundert bedeutendste Glashütte des Schwarzwaldes
war in Baiersbronn-Buhlbach. Sie ist heute zu einer
Museumslandschaft umgestaltet. Initiatorin Sabine Roth-
fuß hat auf dem Gelände eine »Zeitreise in eine Welt aus
Holz und Glas« inszeniert. Das Thema Glas wird auch
im Hauff-Museum in Baiersbronn dargestellt. »Holz war
im Schwarzwald zunächst reichlich vorhanden und bot
den Roh- und Brennstoff für die Arbeit der Glasmacher«,
erzählt Otto Züfle. War der Holzvorrat in Reichweite
erschöpft – immerhin benötigte man drei Kubikmeter Holz
zur Fertigung eines einzigen Trinkglases – zogen die
sogenannten Wanderglashütten einfach weiter.
Begehrter Rohstoff
Holz wurde nicht nur von Glasmachern, sondern auch
von Köhlern und Flößern benötigt. Diese bündelten
Schnittholz sowie die begehrten Schwarzwälder Tannen
zu Flößen und verschifften sie über die Murg oder die
Enz nach Holland, wo sie vor allem für den Schiffs- und
Hausbau verwendet wurden. Holländische Kaufleute
spielten im 18. und 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle
bei der Holznutzung im Schwarzwald. Die Figur des
Holländer-Michel beruht also auf historischen Vorbildern.
Fast 200 Jahre, nachdem das Märchen geschrieben wurde,
fesselt es immer noch Alt und Jung – und ist vielleicht
sogar aktueller als in der damaligen Zeit. Denn es führt
einem vor Augen, wie Geld den Charakter verdirbt und
dass Geld allein nicht glücklich macht.
Fotos
Maren Moster
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