V O N S A R A H M Ü H L I N G
A
m Tage strotzt der Garten nur so vor Lebendigkeit.
Bienen und Schmetterlinge schwirren durch die
Luft, Vögel zwitschern, Blüten strahlen miteinan-
der um die Wette und schmeicheln uns mit ihren
unzähligen Duftnoten. Doch wenn das rege Sirren und
Surren der tagaktiven Insekten am Abend leiser wird, sehen
auch die Blumen keinen Grund, ihren wertvollen Blüten-
staub in der Nacht ungeschützt zu lassen. Also machen
die meisten bei Einbruch der Dunkelheit die Nektarquelle
dicht. Auch wir begeben uns zur Ruhe und überlassen
Mond und Sternen den dunklen Schauplatz. Vielleicht ein
Fehler! Während wir in unseren Betten von Wundersamem
nur träumen können, tut sich im Garten tatsächlich aller-
lei Zauberhaftes. Denn es gibt im Pflanzenreich so einige
Vertreter, die erst in der Nacht ihr wahres Potential entfalten.
Es beginnt bei Dämmerung
Wenn die Sonne langsam am Horizont verschwindet,
muss noch lange nicht Schluss sein mit Blütenreichtum
und Wohlgeruch. Eine ganze Reihe von Pflanzen lässt
ihre Blütenkelche auch am Abend offen. Wieder andere
werden sogar erst mit Einbruch der Dunkelheit richtig
aktiv und überraschen dann mit unwiderstehlichen Düften.
Denn mit schwindender Lichtintensität beginnt auch die
Zeit der Falter und Nachtschwärmer. Sie sind auf der
Suche nach Nahrung. Pflanzen, die in der Dämmerung
und in der Nacht ihre Blüten präsentieren, haben eines
gemeinsam: Sie wollen ihre Insektenfreunde nicht lange
im Dunkeln tappen lassen. Also machen sie durch beson-
ders große Blütenblätter, durch hell leuchtende Farben
oder eindringliche Gerüche auf sich aufmerksam.
Die Wunderblume wird
auch gerne »Vier-Uhr-
Blume« genannt, denn wenn
andere Blüten nach der
Mittagshitze langsam den
Feierabend einläuten, blüht
sie erst richtig auf.
Landzauber
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