Land Zauber - page 12

V O N A N K E G Ö B E L
E
ranthis hyemalis
, wie die am häufigsten in
unseren Gärten vertretene Art der Winterlinge
botanisch heißt, verrät uns mit ihrem zunächst
kompliziert erscheinenden Namen einiges über
sich: Aus den altgriechischen Begriffen »ear« für Frühling
und »anthos« für Blume entstand der Gattungsname
»Eranthis«. Die Artbezeichnung »hyemalis« stammt aus
dem Lateinischen und bedeutet »winterlich«. Winterliche
Frühlingsblumen sind sie also, diese kleinen Kämpfer-
naturen, die tapfer den unwirtlichen Bedingungen des
Vorfrühlings trotzen. Manchmal sogar noch vor den
Schneeglöckchen, oft aber mit ihnen gemeinsam sind
sie zur Stelle und wecken ab Februar/März mit leuchten-
dem Gelb und zartem Duft die ersten Frühlingsgefühle.
Am liebsten ungestört
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kamen die
ursprünglich nicht bei uns heimischen Winterlinge von
Südeuropa aus zu uns und wurden später zunehmend
auch als Zierpflanzen verwendet. Ausgehend von Gärten
oder Weinbergen schafften sie es mancherorts bemerkens-
werte Kolonien zu bilden wie beispielsweise im Rautal
bei Jena. Dass es an solchen Plätzen keine hätschelnde
Gärtnerhand gibt, stört sie nicht. Im Gegenteil: Wenn
der Standort passt, brauchen Winterlinge den Menschen
nicht. Sie wollen eigentlich nur eines: in Ruhe wachsen
und mit der Zeit ausgedehnte Bestände bilden. Nach der
Blüte erzeugen die Laubblätter zeitweilig einen grünen
Teppich. Wenn die Balgfrüchte aufplatzen und die Samen
entlassen, interessieren sich Ameisen für deren fettreiche
Anhängsel (
Elaiosome
). Durch das Verschleppen der Samen-
körner helfen sie mit, die Pflanzen an neue Orte zu bringen
und sorgen so manchmal für Überraschungseffekte.
Nichts für Ungeduldige
Wer möchte, kann in seinem Garten Winterlinge jedoch
auch gezielt weiter verbreiten. Dazu sollte das frische
Saatgut eingesammelt und sofort an den gewünschten
Stellen wieder ausgebracht werden. Dann heißt es geduldig
sein. Ehe aus einem Samenkorn eine blühende Pflanze
wird, verstreichen drei bis vier Jahre, manchmal noch mehr.
Die knollenförmigen, dunkel gefärbten Speicherorgane
Die grüne
»Halskrause«
aus Hochblättern
ist typisch für
Winterlinge.
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