ArtMapp08 - page 32-33

Abwann ist man Kunstsammler?Wennman fünf, zehn oder
50Kunstwerke sein Eigen nennen kann?Der Leipziger Unter-
nehmer Steffen Hildebrand bezeichnet sich seit Beginn der
2000er-Jahre als Sammler: „Ich begann damals, Kunst zu
­erwerben, ohne mir darüber Gedanken zu machen, wo die
Werke hängenwerden.“Aus demBedürfnis heraus, dieBilder
sichtbar zumachen, entstand schließlich die Idee einer Kunst-
halle. „Kunst ist dazuda, gesehen zuwerden“, soHildebrands
Einstellung.
Was die Sammlung Falckenberg fürHamburg oder die
Julia Stoschek Collection für Düsseldorf ist nun das G2 für
Leipzig: Auf einer Fläche von 1.100 Quadratmetern werden
hier abMärz Teile der KunstsammlungHildebrand öffentlich
zugänglich sein. „Es ging eigentlichnie darum,Wände zu fül-
len“, so Hildebrand. „Ich kaufe, was mich ästhetisch oder
intuitiv anspricht und begeistert.“ Den Schwerpunkt bilden
Leipziger Künstler, alleindieKünstlerliste der Eröffnungsaus-
stellung liest sichwie einWho‘swhoder hiesigenMalerszene:
Rosa Loy, Neo Rauch, Hans Aichinger, Kristina Schuldt. Hil-
debrand selbstwill sichund seine Sammelleidenschaft jedoch
nicht auf den Begriff der Neuen Leipziger Schule einengen. Er
sammle junge zeitgenössische Kunst vor allem aus Leipzig.
Schon Ende der 1980er-Jahre wünschte sich der heute
47-Jährige ein Kunstwerk für seine erste eigene Wohnung –
heute zählt seine SammlungmehrereHundertArbeiten, auch
vonNicht-Leipzigernwie Stephan Balkenhol, Daniel Richter
und Ruprecht von Kaufmann. Neben Malerei umfasst die
Sammlung auch Skulptur, Fotografie, Zeichnung undDruck-
grafik. Die umgebauten Räume imWhite-Cube-Style und
die Kunsthistorikerin Anka Ziefer, die das G2 in enger Ab-
sprache mit ihm inhaltlich verantwortet, lassen auf einen
Gewinn für die Leipziger Kunstlandschaft hoffen. Ziefers An-
liegen: Die Sammlung über Ausstellungen zu erschließen
und mit weiteren jungen Positionen zu kontextualisieren.
Mehrmals wöchentlich ist das G2 ab Ende März nach Voran-
meldung zu besuchen, moderate Eintrittspreise von 5 und 3
Euro sollen die Zugänglichkeit für jedermann ermöglichen.
„WirmöchtendenpersönlichenCharakter der Sammlungmit
dem Vermittlungskonzept verbinden“, so Anka Ziefer. Der
Eintritt ist daher automatisch an eine Führung gebunden.
Der Name G2 steht dabei weder für den kubanischen
Geheimdienst noch für einen Rasierer der Marke Gilette:
Die Abkürzung der Postadresse – Gottschedstraße 2 – spie-
gelt vielmehr Hildebrands Liebe zu Leipzig. Seit Mitte der
1990er-Jahre lebt und wirkt der Immobilienunternehmer
hier. Die Sammlung ist jedoch keine Unternehmenssamm-
lung und auch das Gebäude hat er privat erworben. Ab 1986
als ­eines der letzten in der DDR als Datenverarbeitungs­
zentrum für die Stadt erbaut, fristete es in den vergangenen
Jahrzehnten ein eher unscheinbares Dasein. Allein der Blick
aus der verglastenFensterfront der neuenAusstellungsräume
lohnt nun den Besuch: Vis-à-vis der Thomaskirche bietet
sich künftig ein vollkommen neuer Blick auf das Leipziger
Innenstadtensemble.
S A R A H A L B E R T I
Eröf f nungssonntag:
2 2 . März 2015 , 11 – 17 Uhr,
f reier Eint r it t, ohne Voranmeldung,
B esuchereingang: Dit t r ichr ing 13
www. g2-leipzig. de
Eröf fnung der G2 Kunsthalle
Wohin mit der Kunst?
A R TM A P P F R Ü H J A H R 2 015 — L E I P Z I G
Christian Brandl, „Das Treffen“, 2014, Öl auf Leinwand, 170 x 160 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig
Foto: Uwe Walter, Berlin © Courtesy of Galerie Kleindienst, Leipzig
rechte Seite:
Hans Aichinger, „o. T. (Junge auf Knien)“, 2005, Öl auf Leinwand, 190 x 170 cm, Sammlung Hildebrand, Leipzig
© Courtesy maerzgalerie Leipzig/Berlin
Anka Ziefer und Steffen Hildebrand, Foto: Dotgain, 2015
31
30
1...,12-13,14-15,16-17,18-19,20-21,22-23,24-25,26-27,28-29,30-31 34-35,36-37,38-39,40-41,42-43,44-45,46-47,48-49,50-51,52-53,...212
Powered by FlippingBook